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Leitfaden, die Traueraktion

Worum geht’s bei der Aktion

Bei der Traueraktion wird logischerweise öffentlich um etwas getrauert. Das kann je nach Thema variieren. Ob Mensch die millionen Opfer der Tierausbeutungsindustrie betrauert, die von Menschen ausgebeutete Natur, oder was auch immer.

Sinn ist es, durch öffentliche Trauer die Aufmerksamkeit auf ein spezielles Thema zu lenken. Einen aufklärerischen Charakter bekommt das Ganze, wenn Mensch dazu Infomaterial verteilt und viele Bilder (z.B. in der Art einer Fotoausstellung auf Fotowänden) ausstellt, auf denen die Realität des Missstandes gezeigt wird.

Beispiel:

Die Tierrechtsgruppe „Anti Pelz“ möchte durch eine Traueraktion und einen kleinen Trauermarsch auf die millionenfachen Opfer der Pelzindustrie hinweisen. Geplant ist eine Aktion mit Infostand, Fotoausstellung und einem kleinen Trauermarsch durch die Fußgängerzone.

Die beste Inszenierung

besteht aus einer Mischung aus der erregten Aufmerksamkeit durch die Trauer, Individualisierung der Opfer/ des Opfers und Aufklärung über die Realität auf der anderen Seite. Die ganze Aktion kann auch mit weiteren Aktionen ergänzt und kombiniert werden. Natürlich werden je nach Größe der Aktion entsprechend mehr AktivistInnen benötigt!

Wo ist die Kommunikationsform angebracht

Diese Kommunikationsform ist eigentlich für jedes erdenkliche Thema anwendbar. Nicht nur im Tierrechtsbereich! Ob für Tiere, Umwelt, für Datenschutz, Freiheit, oder was auch immer.

Vorbereitung

Wie jede Versammlung unter freiem Himmel, muss die Aktion angemeldet werden. (Tipps dazu hier). Wenn ihr euch dafür entscheidet, neben der festen Kundgebung an einer Stelle auch einen kleinen Trauermarsch zu veranstalten, müsst ihr dies bei der Anmeldung angeben und eure Demoroute, sowie die Anzahl der Leute, die voraussichtlich Teilnehmen, angeben! Wenn ihr davon ausgeht, dass nur sehr wenige Leute mitmachen, achtet darauf, dass die Demoroute nicht allzu lang wird. Die Leute sollen ja nur zu eurem Infostand gelockt werden. Ein Zug auf und ab der Fußgängerzone kann dafür schon genügen.

Materialien die benötigt werden…

Trauer-Aktion:

  • Sarg oder Särge (Bastelanleitung dazu hier)
  • Eventuell Kreuz(e) aus Holz
  • Eventuell Bilder vom Opfer / von den Opfern
  • Eventuell Blumen oder Kränze
  • Eventuell Grabkerzen
  • Eventuell leise Trauermusik (CD-Player genügt)
  • Eventuell Etwas für in den Sarg (verkleidete AktivistInnen, Bilder oder andere Gegenstände)
  • Trauergäste
  • Eine weitere Aktion mit informativem Charakter (z.B. Infotisch, flyern …)

Trauermarsch:

  • Sarg oder Särge (sollten nicht zu schwer und bequem zu tragen sein)
  • Eventuell Kreuz(e) aus Holz
  • Eventuell Blumen oder Kranz zum auf den Sarg legen
  • Eventuell Grabkerzen
  • Eventuell Leise Trauermusik (CD-Player genügt) oder TrommlerIn
  • Informationsgegenstände (Flyer, dezente Transparente, Bilder …)

Vorbereitung der Aktion

Ganz wichtig ist, dass alle AktivistInnen zu 100% Bescheid wissen um was es genau bei der Aktion geht, damit später jedeR weiß wie er/ sie sich verhalten soll und nicht vor Ort erst vermittelt werden muss, um was es denn geht und warum das Megafon gerade nicht so passend ist. Aus diesem Grund solltet ihr ein Vorbereitungstreffen abhalten, bei dem alle anwesend sind, die auch später bei der Aktion mithelfen. Wenn alles vorab geklärt ist und jedeR Bescheid weiß, klappt es auch mit der Traueraktion. Falls am Anfang schon Tumult und Hektik entstehen, ist die ganze Stimmung die vermittelt werden soll gefährdet.

Aufbau und Durchführung bei Aktionen

Die Traueraktion

Sollte wie eine Gedenkstätte aufgebaut werden. Besonders eindrucksvoll wirkt es, wenn z.B. bei einer Aktion gegen Pelz nicht nur Pelze ausgelegt werden, sondern auch gerahmte Bilder von süßen Nerzen und Füchsen aufgestellt werden, also Individuen um die getrauert wird. Ihr könnt euch auch einen Namen für das Opfer überlegen und Trauerreden halten. Versucht wirklich eine betroffene Stimmung zu erzeugen. Das könnt ihr zum Beispiel erreichen, in dem ihr den Sarg auf schwarzen Stoff stellt und mit Grabkerzen umrandet. Im Hintergrund wird über einen CD-Player leise Trauermusik abgespielt. In den Sarg kann sich eine/r als Pelztier verkleidete/r AktivistIn legen, oder ihr füllt den Sarg mit Bildern, Pelzmänteln etc. Auch eine Aktion bei Dämmerung wäre denkbar; hier sind aber wahrscheinlich weniger FußgängerInnen unterwegs. Prinzipiell könnt ihr jede denkbare andere Aktion dazu kombinieren. Ihr sollt nur aufpassen, dass eure betroffene Stimmung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Lautes Ausbuhen von PelzträgerInnen ist also wohl kaum angebracht.

Eure Message soll verständlich und auf den ersten Blick erkennbar sein. Es bringt euch nichts wenn ihr die volle Aufmerksamkeit der FußgängerInnen habt, die aber nicht verstehen, warum ihr das Ganze veranstaltet. Das kann durch verschiedene andere Aktionen geschehen und sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden. Macht klar warum ihr hier seid.

Der Trauermarsch

Beim Trauermarsch wird der Sarg während einer Demonstration herumgetragen. Am besten ihr versucht so nah wie möglich an einen wirklichen Trauerzug zu erinnern. Organisiert SargträgerInnen und falls ihr es euch leisten könnt Blumenschmuck für den Sarg (das dürfen ruhig billige Plastikblumen sein), sorgt für Trauermusik (durch den CD-Player oder eine/n TrommlerIn der/die langsam trommelt) und seht zu, dass ihr wieder diese betroffene Stimmung erzeugt. Also nicht reden oder gar lachen, sondern selbst betroffen und trauernd wirken. Falls euer Marsch im Dunkeln oder Halbdunkeln statt findet, kommt es auch sicherlich gut, wenn ihr Kerzen mit euch herum tragt.

Auch wieder wichtig: Die PassantInnen sollten auf einen Blick verstehen können, warum ihr hier seid. Also sorgt dafür, dass ihr den Hintergrund vermittelt. Hierfür ist alles geeignet, was nicht im Kontrast zur betroffenen Stimmung steht. Also zum Beispiel Flugblätter, Bilder oder dezente Transparente.

Im Optimalfall lockt ihr durch euren Trauerzug PassantInnen zu eurem Infostand etc.

Zum Thema Kreativität

Bei der Traueraktion handelt es sich um kein Aktionskonzept, dass nach einem bestimmten Muster ablaufen muss. Ihr könnt sie immer frei gestalten und mit eignen Ideen ausschmücken. Wichtig ist dabei nur, dass die betroffene Stimmung immer vorhanden bleibt, da die Aktion ansonsten die gesamte Wirkung verliert, der Rest richtet sich danach was ihr durchführen könnt, wollt oder dürft.

Rechtliche Risiken

Solange eure Aktionen angemeldet sind, ihr keine Lügen verbreitet, beleidigend oder handgreiflich werdet, Sachbeschädigung betreibt, volksverhetzend o.ä. seid, sollte es kaum Risiken geben. Einer gewissen Polizeiwillkür müsst ihr euch immer aussetzen, aber im Normalfall sollte es keine Probleme geben.

Bilder:

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Otto Zrenner (Animal Peace).

Die Ausstellungsbilder stammen von www.soylent-network.com
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