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Direct Action oder direkte Aktionen

Worum geht’s jetzt hier schon wieder? Eigentlich ganz einfach Direct Action beschreibt all die Aktionen die nicht nur über Informieren der Öffentlichkeit oder Druckaufbau auf Behörden, Firmen etc. versuchen ihr Ziel zu erreichen sondern auch direkt am Missstand ansetzen. Aber dazu erst einmal ein paar Beispiele:

  •  Wenn wieder mal eine Nazidemo Intollerantz und Fremdenhass in die Stadt tragen will kannst du einen Leserbrief an die Lokalzeitung schreiben um die Leser*innen zu informieren. Denkbar wäre aber auch, dass im Rahmen einer direkten Aktion die Demo mit einer Sitzblockade gestoppt wird.
  • Gegen die verschenderische Wegwerfpolitik unserer übertriebenen Konsumgesellschaft kann mensch vorgehen indem über Unterschriftenlisten und Kundeninformation Druck auf Supermärkte aufgebaut wird, die besonders viele Lebensmittel wegwerfen. Mensch kann aber auch ganz Direct-Action-mäßig die noch brauchbaren Lebensmittel aus den Mülltonnen des Supermarktes holen und damit eine kostenlose Volksküche (Vokü) veranstalten, oder die Lebensmittel selbst verwerten.
  • Gegen die menschenverachtende Gutscheinpolitik für Asylbewerber*innen (Asylbewerber*innen kriegen in Deutschland nur Gutscheine und kein Geld was einen selbstbestimmten Konsum unmöglich macht) kannst du mit Infoständen Druck auf die verantwortlichen Behörden aufbauen. Ganz direkt kannst du den Asylbewerber*innen aber helfen wenn du mit ihnen Gutscheine gegen Bargeld tauschst und dir das mit einem Gutschein hohlst was du sonst mit Bargeld gekauft hättest. Du hast deine neuen Schuhe und der/die Asylbewerber_In kann selbst entscheiden was gekauft wird.

Direkte Aktionen können aus vielen verschiedenen Perspektieven gesehen werden, wir unterteilen hier mal grob in zwei Teile:

1) Direct Action als öffentlich wirksamer politischer Protest.

Der Hauptsinn liegt hier in einer an die Öffentlichkeit gerichtete Message/Forderung und der Gewinnung von Aufmerksamkeit für das Thema.
Beispiele: Ankettungsaktion, Boykott-Besetzungen, Run In´s, Streetart usw.

2) Direkte Aktionen des Alltags:

Direct Actions als Umsetzung der politischen Ideale und Forderungen im Alltag (Bedürfnisbefriedigung mit politischem Hintergrund): Radfahren, Fahrschein-frei fahren, Gutscheintausch mit Asylbewerber*innen, DIY, Containern, in besetzten Häusern leben, Bauwagenplätze aufziehen usw. Hier geht es nicht unbedingt darum eine öffentlichkeitswirksame Message rauszuhauen, sondern darum, das eigene Handeln an das politische Denken anzupassen und als Teil seines Lebens einzubauen- und so anderen vorzuleben wie man die Ideale die man fordert, umsetzen kann.

Schlusswort ;-)

Zum Schluss ist zu sagen, dass direkte Aktionen von staatlicher Seite in der Regel nicht erwünscht sind und teilweise sogar eine Ordnungswidrigkeit (vergleichbar mit Falschparken) oder eben eine Straftat darstellen. So ist es beispielsweise nicht erlaubt eine Nazikundgebung zu stören oder den Müll von Supermärkten zu klauen. Daher muss bei direct Action zwischen legalen und illegalen Handlungsweisen nach der aktuellen Gesetzgebung unterschieden werden (ob diese Aktionen ethisch/moralisch auch zu verurteilen sind, sollte an anderer Stelle diskutiert werden). Illegalität ist nicht zwangsweise gleich Illegimität. Während ihr für legale direkte Aktionen Aktionsanleitungen findet sollen die Texte zu illegalen direkten Aktionen als Aktionsbeschreibungen dienen. Wir wollen nicht zu Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten aufrufen, sind aber durchaus der Meinung, dass auch diese Praktiken diskutiert und bewertet werden sollen. Und weil das am besten auf einer fachlich fundierten Wissensbasis geschieht, findet ihr hier Texte, die sich auch mit Aktionskonzepten befassen, die mindestens in der legalen Grauzone anzusiedeln sind.