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Pressemitteilungen

Pressemitteilungen schreiben

Ihr habt eine Kundgebung, Protestaktion, eine Veranstaltung oder was auch immer durchgeführt und wünscht euch, dass auch die Presse darüber berichtet, die keine Journalisten vorbeigeschickt hat? Oder ihr habt der Welt sonst irgendetwas Bahnbrechendes mitzuteilen? Schreibt eine Pressemitteilung!

Nur Mut…

Traut euch ruhig eine Pressemitteilung zu schreiben! Das Schlimmste was passiert, ist, dass kein Artikel abgedruckt wird. Wenn die Mitteilung nicht gerade voller peinlicher Fehler strotzt und ihr euch kurz fasst, prägnant und logisch nachvollziehbar schreibt, kann euch gar nichts Schlimmes passieren!

Der Aufbau

Die Pressemitteilung ist einfach nach einem klaren Schema aufgebaut, an das ihr euch halten solltet. Falls ihr von den Standardnormen abweicht, erhöht das die Chancen einer Veröffentlichung nicht gerade. Bei der Pressemitteilung gibt es die KISS-Regel (Keep it short and simple). Der Umfang sollte zwei Seiten nicht überschreiten! Bleibt beim Thema und erklärt nicht den gesamten Themenkomplex Antispeziesismus.

Überschrift:

Oben sollte fett „Pressemitteilung“ oder „Presseinformation“ stehen, daneben euer Gruppen/Vereinslogo oder Name, Ort und Datum.

Betreffzeile/Headline/Thematische Überschrift

Hier kommt die eigentliche Überschrift hin, also z.B. „Aktionsgruppe X protestiert gegen Zirkus in Y“. Hier könnt ihr – müsst aber keine phantasievolle Überschrift erfinden. Meist ist es praktischer eine Überschrift zu wählen, die das Thema gleich erklärt. Überschriften wie „Elend hinter Gittern“ usw. klingen spannend und können auch gut ankommen, erklären aber nicht unbedingt sofort den eigentlichen Betreff.

Lead-Text

Das sind max. fünf zusammenfassende Zeilen in denen alle wichtige Informationen schon auf einen Blick erfassbar sein müssen, dass heißt alle W-Fragen sollten beantwortet sein. Dabei sollen auch hier die Sätze gut lesbar und nicht verworren sein! Der Lead dient der/dem JournalistIn innerhalb weniger Sekunden den Sinn der Pressemitteilung zu erfassen und zu überlegen ob er/sie weiterlesen und die Pressemitteilung verwenden soll. Meistens dient der Lead also nur der Aufmerksamkeit des/der JournalistIn – allerdings kommt es auch oft vor, dass der Lead als kleine Kurzmeldung abgedruckt wird. In beiden Fällen ist es deshalb extrem wichtig den Lead präzise und klar zu formulieren. Da dies oft der schwierigste Part der Pressemitteilung ist, könnt ihr euch den Lead auch erst überlegen wenn ihr den Rest schon geschrieben habt, denn dann kann mensch oftmals etwas strukturierter Denken. Beschränkt euch im Lead auf das aller Wesentlichste, sämtliche genaueren Ausführungen könnt ihr im Haupttext einbringen. Der Lead Text entscheidet darüber ob der/die ReporterIn den Rest der Mitteilung liest oder sie gleich im Müll landet. Mitteilungen ohne, oder mit zu langem Lead-Text werden häufig gleich ignoriert. Es geht darum euer Pressemitteilungsthema in ein paar Stichworten zusammengefasst zu präsentieren. Beschränkt euch auf das: Wer, Was, Wann, Wo, Warum.

Haupttext

Im Haupttext sind alle Ausführungen, Fakten, Argumente und Details untergebracht. Hier könnt ihr auf die Thematik eingehen. Es passiert auch häufiger, dass Texte aus dem Hauptteil einfach 1:1 als Artikel für die Zeitungen etc. verwendet werden. Wenn euer Text gut geschrieben und nachvollziehbar ist, werden sich die wenigsten JournalistInnen die Mühe machen einen eigenen Text aufzusetzen und zu recherchieren. Es ist ja bereits ein super Text vorhanden.
Beim Haupttext gilt es zu beachten, dass er „von unten nach oben kürzbar“ sein muss. Dass heißt, auch hier wieder alle wichtigen Infos oben im Text. Hintergründe und argumentative Ausführungen (die zur Not weggekürzt werden können) eher weiter hinten im Text. Also:
Im ersten Absatz nochmal alle wesentlichen Fakten ausformulieren – Wer, Wann, Wie, Was und das Warum in einem oder wenigen Sätzen.
Dann folgen im weiteren Text bzw. in den weiteren Absätzen weitere Ausführungen zum Warum bzw. Argumente und Hintergundinfos. Z.B. Die Aktionsgruppe X protestiert gegen den Zirkus, weil…Argument 1, Argument 2, Argument 3…
Baut die Argumente immer so auf, dass ihr den Fakt nennt und wenn es geht mit einem Beispiel untermauert. z.B. „Tiere leiden im Zirkus, weil sie fast ihr ganzes Leben in Transportboxen verbringen müssen“. Hier könnt und solltet ihr auch Zitate einbringen, im Stil „XY, Pressesprecher der Aktionsgruppe X erklärt „Tiere leiden im Zirkus, weil… ““ (dazu später mehr)
Appell:  Ihr solltet immer ein Abschlussfazit einsetzen, damit sich der/die LeserIn direkt angesprochen fühlt und klar versteht was gefordert wird und was er/sie tun kann! Z. B. „Deshalb fordert die Tierrechtsgruppe XY einen Boykott aller Zirkusse mit Wildtiershows“
Tipp: Um das Ganze aufzulockern, könnt ihr auch ein paar Zitate einbringen, so als hättet ihr euch selber interviewt, z. B. Max Mustermann, Sprecher der Tierrechtsgruppe X fordert „Boykottieren Sie den Zirkus, wenn Sie Tierquälerei nicht aktiv und finanziell unterstützen möchten“. So erspart sich der/die JournalistIn das Interview mit euch, hat aber dennoch ein paar Zitate die veröffentlich werden dürfen. Das hat für den/die JournalistIn den Vorteil, dass es so aussieht als wäre er/sie vor Ort gewesen und so hat er/sie ohne wirklichen Arbeitsaufwand eine Aufwertung des Artikels. Das erhöht natürlich eure Chance auf eine Veröffentlichung.

Vereins-/Hintergrundinfos:

Optional könnt ihr am Ende noch einige Zeilen mit Hintergrundinfos über euch/die Gruppe/den Verein einfügen. Wer seid ihr, was macht ihr, warum, wie arbeitet ihr, seit wann gibt es euch, was ist euer Ziel. Dies hat den Sinn, dass der/die JournalistIn gleich weiß wer ihr seid und was ihr macht, ohne vorher erst groß recherchieren zu müssen und er/sie euch gleich etwas einschätzen kann (eine SchülerInnengruppe wird anders wahrgenommen als eine politische Partei). Außerdem werden Infos über die Gruppe gerne im Artikel eingebracht.

Kontaktdaten:

Ganz wichtig ist der Hinweis am Ende der Pressemitteilung für Rückfragen. Haben JournalistInnen Fragen oder möchten noch ein paar Detailinfos, können sie sich bei euch melden! Auch wirkt es deutlich seriöser wenn eine Kontaktperson angegeben ist. Eine PM ohne Kontaktdaten landet einfach sofort im Müll!

Pressefotos:

Der Pressemitteilung können auch Fotos angehängt werden. Bitte nie mehr als drei, außerdem muss die Auflösung groß genug sein um das Foto abdrucken zu können! Versichert euch, dass auf dem Foto nichts zu sehen ist, was euch schaden könnte und alle abgebildeten Gruppenmitglieder mit der Veröffentlichung einverstanden sind! Wenn ihr ein gutes Bild mitsendet, kann es leicht passieren, dass das auch weiterverwendet wird und das lenkt dann auch die Aufmerksamkeit des/der MedienkonsumentIn auf euch. Also gebt euch Mühe wenn ihr Fotos von eurer Aktion macht. Gute Bilder sind Gold wert.

Beispiel:

Euer Logo
Datum
Überschrift: „Pressemitteilung“

Euer Logo (falls vorhanden), oder Schriftzug (z.B. Aktionsgruppe Tierschutz).

PRESSEMITTEILUNG

Datum: XX.XX.XXXX

 Überschrift  (fett) Tierrechtsgruppe protestiert gegen Tierquälerei im Zirkus

Lead = max. 5 Zeilen
Zusammenfassend
Zeilen über alle relevanten W-Fragen!  (fett)
Am XX.XX.XXXX führte die Tierrechtsgruppe X in der Innenstadt von Z eine Protestkundgebung gegen den Zirkus A durch. Die AktivistInnen wollten mit Hilfe von Flyern, Sprechchören und spektakulären Schauspielaufführungen auf die tierquälerischen Umstände aufmerksam machen, unter den die Tiere im Zirkus leben müssen.
 
Einführender Text (nicht zu lang!)
Wer/Wann/Wo/
Was/Warum
Ab Freitag den 13. gastiert der Zirkus XY in Ignoranzhausen – TierrechtsaktivistInnen der Gruppe XY wollten schon diesen Samstag (XX.XX.XXXX) mittels einer spektakulären Protestkundgebung in der Innenstadt darauf aufmerksam machen, was hinter der glamourösen Fassade der Zirkusmanege steckt: Tiere im Zirkus leiden!
Während der dreistündigen Protestkundgebung zeigten verschiedene als Tiere verkleidete AktivistInnen in enge Käfige gesperrt, wie der Alltag als Zirkustier aussieht. Zwischen den Schauspielsequenzen in denen ein Dompteur die Tierdarsteller mit Peitsche und lautem Gebrüll „dressierte“  verteilten einige TierrechtlerInnen Flyer während andere Transparente hielten oder den Dialog mit interessierten Passanten suchten. Die Reaktionen der Passanten waren durchmischt, allerdings überwiegend positiv und interessiert – viele Menschen zeigten sich entrüstet über die Zustände in denen Tiere im Zirkus leben und arbeiten müssen. Tierrechtsgruppensprecher XY betonte „Manege frei von Tierquälerei! Tiere im Zirkus leiden unter den Haltungs- und Dressurbedingungen. Den ganzen Tag eingesperrt, bekommen sie leicht körperliche und geistige Schäden! Wer so etwas nicht unterstützen will, sollte nicht in den Zirkus mit Tieren gehen! Heutzutage gibt es tolle Alternativen – Zirkusse mit unglaublichen Akrobaten und Tanzshows.“
 
Hintergrundinfos
im zweiten Teil des
Textes  
Hintergrund der Vorwürfe ist die schlechte Situation von Tieren im Zirkus: Die meiste Zeit eingesperrt in engen Transportboxen und Wagen verwahrlosen viele Tiere wegen der Reizarmut geistig und körperlich.
Oft genug müssen die Tiere in einer überfüllten lauten Manege unnatürliche und schmerzhafte Kunststücke aufführen, die von ihren Dompteuren mit Gewalt erzwungen werden. Der Hitze des Sommers,  der Kälte des Winter und der Willkür des Menschen ausgesetzt, leiden besonders Wildtiere unter den unnatürlichen Lebensbedingungen ohne Auslauf und natürliche Beschäftigung, dem ständigem Tiertransport und ein Leben in den Transportboxen. Zirkus bedeutet Tierquälerei!
 
Über Euch
(optional)
Wer seid ihr, Wie viele, Was macht ihr, Warum, Wo …

Die Aktionsgruppe Tierschutz ist eine lose Gruppierung von Schülern, Studenten und Angestellten die sich zum Ziel gesetzt hat die Öffentlichkeit, insbesondere die Bürger der Stadt XY, über verschiedene Themen des Tierschutzes zu informieren und aufzuklären.

 Rückfragehinweis Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung
Max Müller
Adresse:
Tel/Fax:
E-Mail:
Homepage:

Fertig und nun?

Bitte kontrolliert den Text auf Rechtschreibung, Grammatik und Stilfehler! Gebt den Text MitstreiterInnen und FreundInnen zum Lesen und lasst ihn euch ggf. korrigieren. Einwandfreie Sprache und klare Struktur sind wesentlich für die Pressemitteilung, genauso wie korrekte Daten!

Das Absenden, eine Kunst für sich!

Bitte, alle Presseinfos immer mit Begleitschreiben versenden. Verschickt die Pressemitteilung nicht einfach kommentarlos. Ein kurzes freundliches Anschreiben, das direkt an den zuständigen Redakteur adressiert ist, sollte dazugehören. Die Pressemitteilung selbst steht z.B. in der Mail im Anhang. Am besten mensch fragt in der Redaktion, ob  die Meldung per Post, Fax oder E-Mail geschickt werden soll.
Das Anschreiben sollte nur einige Zeilen umfassen, z.B.
Sehr geehrte/r Herr/Frau XY,
anbei sende ich Ihnen die Pressemitteilung des Vereins X zum Event Y
Mit freundlichen Grüßen,
Max Mustermann
Pressesprecher der Tierrechtsinitiative X
Kontaktdaten ….

ACHTUNG

Wenn es doch eine Massenaussendung ohne persönliche Ansprache sein soll – bitte kopiert NIEMALS alle Mailadressen in eure E-Mail Empfängerzeile!
So würde jede/r Empfängerin sehen wer die Mitteilung noch alles bekommen hat – dass kommt gar nicht gut an!
Deshalb der Tipp:

  • Schreibt in die Empfängerzeile eure eigene E-Mail-Adresse, sendet sie also an euch selbst
  • Alle anderen EmpfängerInnenadressen schreibt ihr in die BCC-Zeile. Die „Blind Carbon Copy“ ist, wie schon der Name sagt, „blind“. Es ist also für den/die EmpfängerIn nicht einsehbar wer noch eine Kopie dieser Mail bekommen hat!

Checkliste

Formale und strukturelle Kriterien

  • Steht auf jeder Seite der Presseinformation Logo bzw. Absender und der Hinweis, dass es sich um eine Presseinformation handelt?
  • Sind Ort und Datum korrekt genannt
  • Umfasst die Pressemitteilung maximal 2 Seiten
  • Sind die Seiten laufend nummeriert und datiert? 
  • Ist der Text mit 1,5 Zeilenabstand geschrieben? 
  • Hat der Text einen mindestens 5 cm breiten Rand? 
  • Werden im ersten Absatz alle W-Fragen beantwortet (Wer, Was, Wann, Warum, Wie, etc.)? 
  • Ist der Text in übersichtliche Absätze gegliedert? 
  • Werden die Absätze ggf. durch aussagekräftige Zwischenüberschriften ergänzt? 
  • Wird bei der Abhandlung des Themas das Wichtigste zuerst genannt und erst danach die weiteren Einzelheiten mit abnehmender Bedeutung? 
  • Wird am Ende des Textes ein/eine AnsprechpartnerIn für den/die JournalistIn sowie seine/ihre Telefon-Durchwahl, seine/ihre Faxnummer und seine/ihre E-Mail-Adresse genannt? 
  • Pressemeldungen werden immer nur auf der Vorderseite eines DIN-A4 Blattes gedruckt.
  • Wurden Sperrungen, Unterstreichungen, Kursiv- oder Fettschriften vermieden?

Sprachliche Kriterien

  • Habt ihr einfache, kurze Sätze geschrieben?
  • Habt ihr verständlich, ohne „Fachchinesisch“ formuliert? 
  • Überwiegt ein aktiver Sprachstil gegenüber Passivformen? ( „Aktionsgruppe X führte die Anti-Pelz-Aktion durch“, statt „die Aktion wurde von Aktionsgruppe X durchgeführt“)
  • Werden alle Personen bei der ersten Nennung mit Vorname, Name und ggf. Position genannt?
  • Direkte Anreden (Ich, Wir, Du, Sie) sind in Pressetexten ebenso wenig zulässig wie die Anrede Herr oder Frau. „Wir“ wird zu „der Tierrechtsverein XY“ und „Herr Schäuble“ wird zu „Minister Wolfgang Schäuble“. Das sind ganz einfach gängige Standardnormen.
  • Vermeidet auch überflüssige Füllwörter, die den Text nur unnötig in die Länge ziehen.
  • Achtet auf Rechtschreibfehler und Grammatik
  • Generell wird in der Pressemitteilung nicht gegendert, weil dies den Text holprig macht und von den JournalistInnen so nicht gerne übernommen wird. Soweit die Theorie. Natürlich könnt ihr auch gendern, achtet dann aber darauf, dass der Textverlauf dennoch flüssig bleibt und darauf ob der Text dennoch Anklang bei den Redaktionen findet.

Organisation und Versand

  • Habt ihr alle notwendigen Fakten für eure Presseinformation recherchiert?
  • Ist der Pressetext mit allen zuständigen MitstreiterInnen abgesprochen?
  • Liegt der Presseverteiler mit allen Redaktionsadressen auf dem aktuellen Stand (z. B. mit allen richtigen AnsprechpartnerInnen, Faxnummern oder Mail-Adressen) und im richtigen Dateiformat vor? 
  • Wer erstellt nach der Aktion den Pressespiegel (*) und wer aktualisiert diesen regelmäßig?
  • Redaktionsschluss bedacht?

(*)

Der Pressespiegel ist im Grunde eine Sammlung aller Berichte die über euch/die Gruppe in den Medien erschienen sind. Das können eingescannte Zeitungsartikel, Videos usw. sein. Der Pressespiegel bezeichnet quasi euer persönliches Medienberichtearchiv. Dadurch hat mensch nicht nur eine Sammlung an Medienberichten, über die mensch sich freuen kann, sondern kann vor allem auswerten welche Medien besonders oft oder besonders ausführlich (oder pressemitteilungsgetreu) und positiv, oder negativ über euch berichteten – diese Erkenntnisse könnt ihr für eure zukünftige Pressearbeit nutzen.
Der Pressespiegel von Gruppen oder Vereinen kann außerdem auf der eigenen Homepage präsentiert werden. Dadurch sieht einerseits die Presse selber, dass eure Aktionen berichtenswert sind, wenn ihre KollegInnen über euch berichtet haben, außerdem sehen InteressentInnen, dass ihr viel auf die Beine stellt und seriös arbeitet, frei nach dem Motto „Wenn´s in den Medien war, muss es ja stimmen“.

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